Der „Hauserhof“ am „Wüelenperg“ wurde vermutlich um 1500 auf einem Grundstück mit Quelle, die „Peinte“ genannt, neu angelegt. Damals gehörten nur zwei Grundstücke zum Hof: die „Peinte“ mit der „Hofstatt“ darauf und das „Loach“ „mit einem Zaun umfangen“. Im Vergleich zu den anderen Höfen in Wielenberg ist das Hausergut erst relativ spät entstanden. Als jüngster Hof trug das Anwesen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts die Bezeichnung „Neuhauser“, was soviel bedeutet wie „neues Haus, neue Hofstelle“. Ab 1764 scheint in den Dokumenten nur mehr die Bezeichnung „Hauser“ auf.

Der Hof wurde im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich vergrößert, das heißt, es kamen immer wieder kleinere Grundstücke dazu. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Baugeschichte der Hofstelle wider. Ursprünglich war der Bau sehr klein. Im Laufe der Zeit wurde sozusagen vorne und hinten immer wieder ein Stück dazu gebaut. Auf diese Weise entstand ein auffallend lang gestreckter Bau. Auch an der Höhe des Grundzinses, der in Form von Naturalien dem Grundherren geschuldet wurde, kann man diese Entwicklung teilweise ablesen: 1545 betrugen die jährlichen Abgaben 3 Star Roggen (1 Star = ca. 20 kg), 2 Hühner und 20 Eier. 1646 wurde der Grundzins von 3 auf 5 Star Roggen angehoben, weil inzwischen ein weiteres Grundstück dazu gekommen war.


...Hearst as net, wie die Zeit vergeht...

Bekanntlich waren die Bauern im alten Österreich keine freien Bauern in dem Sinn, dass sie auch Besitzer der Höfe waren. Die Höfe waren in der Regel Eigentum eines Grundherrn, dem man Abgaben (Grundzins) zu zahlen hatte und Dienste leisten musste. Die Grundherrschaft über den Hauserhof hatten von 1539 bis 1841 die Sell zu Bruneck (Söll von Aichberg) inne. Erst im Revolutionsjahr 1848 wurde nach Ende der Metternich-Ära im Reichstag in Wien aus politischen Gründen die Bauernbefreiung beschlossen. Damit war die Zeit der Grundherrschaft zu Ende. Die Bauern mussten allerdings an die Grundherren hohe Summen Ablöse zahlen, was häufig zur Folge hatte, dass viele in Not gerieten und die Höfe verkaufen mussten.

Seit seines Bestehens wurde der Hauserhof von über 25 verschiedenen Familien bewirtschaftet. Oft wurde die Grundherrschaft über das Gut an die nächste Generation weiter vererbt; nicht selten wurde sie aber auch verkauft. Im Jahr 1602 erstanden beispielsweise die Eheleute Andre und Gertraud Stallpämber den Hof um 629 Gulden. Obwohl nur schwer vergleichbar, entspricht dieser Betrag heute einem Gegenwert von rund 94.000 Euro. Um diese Zeit standen Tiere und andere Naturalien viel höher im Kurs als heute; für die Arbeit wurde hingegen sehr wenig gezahlt. Eine Kuh etwa kostete damals 20 Gulden, das entspricht einem Gegenwert von etwa 3.000 Euro. Ein einfacher Knecht oder Fütterer verdiente im Jahr nur 3 Gulden zuzüglich Unterkunft, Kleidung und Verpflegung.

Johann Passler, ein „Hauserbauer“, der am 10. Juni 1830 verstarb, hinterließ seinen Nachkommen nicht nur den Hof, dessen Wert mit 2.100 Gulden beziffert wurde, sondern auch die stattliche Summe von 8.850 Gulden. Das entspricht einem Gegenwert von rund 290.000 Euro. Solcherart kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in der damaligen Zeit selbst kleine Bergbauern mit Fleiß und Einsatz zu ansehnlichem Wohlstand gelangen konnten.

Die Vorfahren des gegenwärtigen Hofbesitzers Josef Huber sind seit 1912 im Besitz des Hofes. Damals erwarb dessen Urgroßvater Peter Joas das Anwesen durch Kauf. Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurde neben der alten Hofstelle ein neues Wohngebäude errichtet. Der Wohntrakt im alten Gebäude wurde aufgelassen.

Wie andere Höfe, war auch der Hauserhof in früherer Zeit ein ausgesprochener Selbstversorgungsbetrieb. Alles, was man zum Leben brauchte, wurde selbst erzeugt und hergestellt. Nur das Notwendigste, wie Salz, Zucker und einige wenige Arbeitsgeräte wurden zugekauft. Die Großfamilien auf den Höfen lebten mit ihren Knechten und Mägden im Rhythmus der Jahreszeiten in und mit der Natur.

In den letzten 50 Jahren hat sich sehr vieles verändert. Die Großfamilie gibt es praktisch nicht mehr. Die Bauern bewirtschaften ihre Höfe meist nur mehr allein; sie können davon nicht mehr leben und müssen einem Nebenerwerb nachgehen. Die ungeschriebenen Gesetze, welche die viele und oft sehr mühevolle Arbeit unserer Vorfahren regelten und erträglich machten, werden nach und nach vergessen; sie weichen einem neuen Zeitgeist, der uns eine neue Ordnung übergestülpt hat, vieles erleichtert, manches aber auch in uns abtötet, woraus unsere Mütter und Väter einst Kraft und Lebensfreude schöpften. Nicht von ungefähr erinnern sich ältere Menschen oft mit Wehmut an jene Zeiten zurück, da der bäuerliche Hof noch eine kleine, in sich geschlossene Welt verkörperte, in der jeder an seinem Platz in Ehrfurcht vor der Schöpfung Gottes seine ihm zugedachte Aufgabe erfüllte.